Glossar
Polysomnographie
Wer Polysomnographie einordnen kann, versteht Ursachen und Behandlungswege beim Schnarchen besser. Die Definition steht direkt unten.
Definition
Die Polysomnographie ist die umfassende Schlafmessung im Schlaflabor. Sensoren zeichnen eine oder mehrere Nächte lang Hirnströme, Augen- und Muskelaktivität, Herzschlag, Atemfluss, Atemanstrengung, Sauerstoffsättigung, Schnarchgeräusche und Körperlage auf, ergänzt durch Video. Die Leitlinie der DGSM empfiehlt sie als Referenzmethode für schlafbezogene Atmungsstörungen.
Was dahinter steckt
Der wichtigste Unterschied zu einfacheren Messungen ist das Schlaf-EEG. Erst die Hirnströme zeigen, ob und wie jemand schläft. Die Auswertung teilt die Nacht nach dem Regelwerk der amerikanischen Fachgesellschaft AASM in die Stadien Wach, REM sowie N1, N2 und N3 ein. So lässt sich erkennen, wie lange die Tief- und Traumschlafphasen dauern, in welchem Stadium und in welcher Körperlage Atemaussetzer auftreten und wie Herz und Sauerstoffwerte darauf reagieren. Geschultes Personal überwacht die Messung die ganze Nacht und kann bei Problemen mit Sensoren eingreifen.
Die Polysomnographie ist aufwendig und steht deshalb in der Regel nicht am Anfang. Die Schnarch-Leitlinie nennt sie den diagnostischen Goldstandard, erlaubt aber den Verzicht, wenn Anamnese, Untersuchung und eine Polygraphie unauffällig sind. Die Leitlinie der DGSM verlangt sie, wenn relevante Begleiterkrankungen vorliegen, bei denen eine Polygraphie nicht ausreicht. Auch eine Therapie mit einem Atemtherapiegerät wie CPAP wird laut Hilfsmittelverzeichnis im Schlaflabor eingeleitet. Grundlage dafür ist die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zu Polygraphie und Polysomnographie.
Was das für Schnarcher bedeutet
Wer nur schnarcht, braucht selten sofort eine Nacht im Schlaflabor. Üblich ist ein Stufenweg: ärztliches Gespräch, Untersuchung von Nase und Rachen, dann eine Messung zu Hause. Zeigt diese Auffälligkeiten oder bestehen Begleiterkrankungen, folgt die Polysomnographie. Für eine Unterkieferprotrusionsschiene auf Kassenkosten bei Schlafapnoe muss der veranlassende Arzt laut KZV Bayerns zur Polysomnographie berechtigt sein. Bei Atemaussetzern ist der Weg ins Schlaflabor eine ärztliche Entscheidung.
Weiterlesen: Schlaflabor
Das gehört dazu
- Muskeltonus im Schlaf
- Nasenmuscheln
- Gaumenmandeln (Tonsillen)
- Sauerstoffsättigung
- Tonsillektomie
- Hypoglossus-Stimulation
- Heil- und Kostenplan
- Obstruktive Schlafapnoe (OSA)
- Schlafhygiene
Häufige Fragen
Was misst die Polysomnographie, was eine Polygraphie nicht misst?
Der Kern ist das Schlaf-EEG mit Augen- und Muskelableitungen. Damit lassen sich Schlafstadien, Weckreaktionen und die echte Schlafdauer bestimmen. Eine Polygraphie erfasst vor allem Atmung, Sauerstoff, Puls und Lage, weiß aber nicht sicher, ob der Mensch gerade schläft.
Braucht jeder Schnarcher eine Polysomnographie?
Nein. Laut Schnarch-Leitlinie kann auf eine Polysomnographie verzichtet werden, wenn Gespräch und Untersuchung keine Hinweise auf eine Schlafkrankheit ergeben und eine Polygraphie unauffällig ist. Sie kommt bei unklaren Befunden, Begleiterkrankungen oder Verdacht auf andere Schlafstörungen zum Einsatz.
Wer veranlasst eine Untersuchung im Schlaflabor?
Die Einweisung erfolgt ärztlich, häufig nach einer ambulanten Voruntersuchung mit einem tragbaren Messgerät. Zeigen sich dabei Auffälligkeiten, wird die Untersuchung im Schlaflabor angeschlossen. Ansprechpartner sind meist HNO-, Lungen- oder Nervenarztpraxen, oft nach einem ersten Gespräch in der Hausarztpraxis.
Werden im Schlaflabor auch Schnarchgeräusche gemessen?
Ja, das Schnarchen gehört zu den Standardsignalen der Polysomnographie. Die Schnarch-Leitlinie weist aber darauf hin, dass die dabei berechneten Schnarchindizes nicht validiert und zwischen Geräten kaum vergleichbar sind. Für die Beurteilung zählen vor allem Atemaussetzer und Sauerstoffabfälle.
Quellen
- S3-Leitlinie Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen (AWMF 063-001, DGSM), Version 2.0 (Stand 2017-08)
- S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen (AWMF 017-068, DGHNO-KHC), Fassung 2019 (Stand 2019-03)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Obstruktive Schlafapnoe (Stand 2026-07)
- GKV-Spitzenverband: Fortschreibung der Produktgruppe 14 „Inhalations- und Atemtherapiegeräte“ des Hilfsmittelverzeichnisses (Stand 2024-01)
- KZV Bayerns: Unterkieferprotrusionsschiene bei obstruktiver Schlafapnoe, Abrechnungsinformation (Stand 2022-11)
Nächster Schritt
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