Glossar

Gaumenmandeln (Tonsillen)

Gaumenmandeln (Tonsillen) gehört zu den Begriffen, die beim Thema Schnarchen vorausgesetzt, aber selten erklärt werden. Diese Seite liefert die Definition und ordnet den Begriff ein.

Definition

Die Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae) sind zwei Organe des Abwehrsystems, die rechts und links in der Schleimhautfalte zwischen den Gaumenbögen sitzen. Als einzige Mandeln sind sie bei geöffnetem Mund ohne Hilfsmittel sichtbar. Sind sie stark vergrößert, engen sie den Mittelrachen ein und können Schnarchen und Atemaussetzer verursachen.

Kurz eingeordnet

Eine dauerhafte Vergrößerung heißt in der Fachsprache Tonsillenhyperplasie oder Tonsillenhypertrophie. Sie ist laut IQWiG von der Mandelentzündung (Tonsillitis) zu unterscheiden, bei der die Mandeln gerötet, geschwollen und oft belegt sind. Bei Kindern verursachen vor allem vergrößerte Gaumenmandeln nächtliche Atemaussetzer, während die Rachenmandel eher die Nase verlegt. Das MSD Manual zählt große Tonsillen auch bei Erwachsenen zu den Strukturen, die den Luftstrom blockieren, und nennt die Tonsillenhypertrophie als typischen Untersuchungsbefund bei Verdacht auf Schlafapnoe.

Für Erwachsene ist die Studienlage zurückhaltend. Nach der HNO-Leitlinie zum Schnarchen gibt es keine Angaben, ab welcher Mandelgröße mit reinem Schnarchen zu rechnen ist, und die Größe erlaubt keine Unterscheidung zwischen Schnarchen und obstruktiver Schlafapnoe. Therapeutisch können gering-invasive Verfahren an den Gaumenmandeln im Einzelfall sinnvoll sein. Die Uvulopalatopharyngoplastik wird üblicherweise mit einer Tonsillektomie kombiniert; wegen ihrer höheren Morbidität und Komplikationsrate soll die Indikation dafür streng gestellt werden. Invasive Eingriffe außerhalb von Nase und Weichgaumen empfiehlt die Leitlinie gegen Schnarchen nicht.

Bezug zum Schnarchen

Sichtbar große Mandeln sind für erwachsene Schnarcher ein Hinweis, der in die HNO-Untersuchung gehört, aber keine Behandlungsentscheidung vorwegnimmt. Wer zusätzlich Atempausen beobachtet bekommt oder tagsüber stark müde ist, braucht eine schlafmedizinische Messung, bevor über eine Operation gesprochen wird. Bei Kindern mit lautem Schnarchen und Atemaussetzern ist der Kinderarzt die erste Anlaufstelle. Welche Ursachen außer den Mandeln infrage kommen, ordnet die Zielseite.

Weiterlesen: Schnarchen

Das gehört dazu

Häufige Fragen

Schnarchen Erwachsene wegen ihrer Gaumenmandeln?

Es kommt vor, ist aber schwer vorherzusagen. Die HNO-Leitlinie stellt fest, dass sich aus Größe und Beschaffenheit der Mandeln weder reines Schnarchen ableiten noch von einer Schlafapnoe abgrenzen lässt. Große Mandeln sind deshalb ein Baustein der Untersuchung, nicht die alleinige Erklärung.

Hilft eine Mandeloperation gegen Schnarchen?

Bei Kindern mit Atemaussetzern durch vergrößerte Mandeln ist eine Operation eine etablierte Option. Bei Erwachsenen nennt die Leitlinie gering-invasive Verfahren an den Gaumenmandeln nur für Einzelfälle. Eine Tonsillektomie als Teil der Uvulopalatopharyngoplastik soll wegen höherer Komplikationsrate streng abgewogen werden.

Ist eine vergrößerte Mandel dasselbe wie eine Mandelentzündung?

Nein. Eine dauerhafte Vergrößerung (Hyperplasie) ist ein eigener Befund und kann ohne Entzündung bestehen. Eine Tonsillitis dagegen äußert sich laut IQWiG mit geschwollenen, geröteten, oft gelblich belegten Mandeln, Halsschmerzen und Fieber. Beide Zustände werden unterschiedlich behandelt.

Wo genau liegen die Gaumenmandeln?

Sie sitzen rechts und links im hinteren Mundraum zwischen vorderem und hinterem Gaumenbogen. Zusammen mit Rachen- und Zungenmandel bilden sie den lymphatischen Rachenring, der Erreger aus Mund und Nase abfängt.

Nächster Schritt

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