Glossar
Nasenmuscheln
Diese Glossarseite erklärt Nasenmuscheln so, dass sich Befunde, Ratgeber und Produktbeschreibungen damit sicher lesen lassen.
Definition
Nasenmuscheln (Conchae nasales) sind gewölbte, mit Schleimhaut überzogene Knochenleisten an der Seitenwand jeder Nasenhaupthöhle. Ihre Schleimhaut kann anschwellen und abschwellen und reguliert so den Luftstrom. Ist sie dauerhaft geschwollen, verengen vergrößerte Nasenmuscheln den Nasengang und erschweren die Nasenatmung, besonders im Liegen.
Kurz eingeordnet
Vergrößerte Nasenmuscheln treten häufig gemeinsam mit anderen Befunden auf. Laut IQWiG sind bei einer verkrümmten Nasenscheidewand oft auch die Schleimhäute geschwollen und die Nasenmuscheln dadurch vergrößert; eine Operation der Scheidewand schließt deshalb häufig eine Verkleinerung der Muscheln ein. Das MSD Manual nennt angeschwollene Nasenmuscheln neben Nasenpolypen als Warnzeichen bei der Untersuchung von Schnarchern. Anatomisch grenzt der Kopf der unteren Nasenmuschel die innere Nasenklappe ab, also die engste Stelle der Nase.
Die Nasenmuscheln selbst erzeugen kein Schnarchgeräusch. Nach der HNO-Leitlinie verhindern das stabile knöcherne und knorpelige Nasengerüst, dass endonasale Strukturen schwingen. Eine verlegte Nase wirkt aber als Co-Faktor: Schnarcher haben in der Funktionsdiagnostik einen höheren nasalen Widerstand und ein geringeres Nasenvolumen, und der Sog beim Einatmen kann weiter hinten gelegene Weichteile zum Flattern bringen. Als auslösende Faktoren nennt die Leitlinie in der Anamnese unter anderem allergische und nicht-allergische Rhinitis, die die Schleimhaut der Muscheln anschwellen lassen.
In der Praxis
Ein praktischer Test steht in der Leitlinie: Abschwellendes Nasenspray kann kurzfristig eingesetzt werden, um den Effekt einer Operation an den Nasenmuscheln zu simulieren. Lässt das Schnarchen dann nach, spricht das für eine nasale Komponente. Als Dauertherapie sind solche Sprays ungeeignet, weil längerer Gebrauch die Schleimhaut schädigen kann. Bleibt die Nase dauerhaft verlegt, steht eine HNO-Abklärung an, gegebenenfalls mit Allergiediagnostik. Wie Nase und Rachen zusammenspielen, beschreibt die Zielseite.
Weiterlesen: Schnarchen
Verwandte Begriffe
- Gaumenzäpfchen (Uvula)
- Mikroarousal
- Polysomnographie
- Schlafapnoe
- Unterkieferprotrusion
- Sauerstoffsättigung
- Apnoe
- Schlafphasen
Häufige Fragen
Schnarcht man direkt durch die Nasenmuscheln?
Nein. Laut HNO-Leitlinie können Strukturen in der Nase wegen des stabilen Nasengerüsts kaum schwingen. Eine verlegte Nase verursacht eher ein forciertes Atemgeräusch und begünstigt über den stärkeren Sog Schnarchen weiter hinten im Rachen.
Darf man abschwellendes Nasenspray dauerhaft nehmen?
Nein. Die Leitlinie empfiehlt abschwellende Sprays nicht als Dauertherapie, weil längerer Gebrauch die Nasenschleimhaut schädigen kann. Kurzfristig eingesetzt helfen sie, abzuschätzen, ob eine Verkleinerung der Nasenmuscheln das Schnarchen beeinflussen würde.
Was ist eine Conchotomie?
Die Conchotomie ist eine Operation, bei der vergrößerte Nasenmuscheln verkleinert werden. Sie wird oft mit einer Begradigung der Nasenscheidewand kombiniert. Die HNO-Leitlinie wertet Studien zu dieser Kombination aus und empfiehlt Nasenoperationen bei Schnarchern, die zugleich eine behinderte Nasenatmung haben.
Welche Rolle spielt eine Allergie?
Eine allergische Rhinitis lässt die Schleimhaut der Nasenmuscheln anschwellen und kann die Nasenatmung dauerhaft behindern. Für kortisonhaltige Nasensprays gegen Schnarchen fand die Leitlinie widersprüchliche Studienergebnisse. Eine verlegte Nase verdient unabhängig vom Schnarchen eine eigene Abklärung.
Quellen
- AWMF S3-Leitlinie 017-068 „Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen“ (DGHNO-KHC), Langfassung Version 4.0 – Gültigkeit abgelaufen, Überarbeitung angemeldet (Stand 2019-01)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Verkrümmte Nasenscheidewand (Nasenseptumdeviation) (Stand 2026-02)
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Schnarchen (Stand 2026-01)
- Pirola F et al.: Nasal valve obstruction – a comprehensive analysis of the current literature, Front Surg 12:1549915 (Stand 2025-03)
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