Glossar
Tonsillektomie
Was Tonsillektomie bedeutet, lässt sich in einem Satz sagen — die Einordnung dahinter ist entscheidend. Hier steht beides, kurz und nachvollziehbar.
Definition
Die Tonsillektomie ist die vollständige operative Entfernung der Gaumenmandeln, die beidseits im Rachen zwischen den Gaumenbögen liegen. Davon zu unterscheiden ist die Tonsillotomie, bei der nur ein Teil des Mandelgewebes abgetragen wird. Beim Schnarchen geht es um Mandeln, die durch ihre Größe den Rachen verengen.
Was dahinter steckt
Bei Kindern sind vergrößerte Mandeln eine häufige Ursache für Schnarchen und Atemaussetzer. Laut gesundheitsinformation.de des IQWiG schnarchen etwa 7 Prozent aller Kinder dauerhaft, etwa 2 Prozent haben eine obstruktive Schlafapnoe, oft im Alter zwischen 3 und 6 Jahren. Vergrößerte Gaumenmandeln verursachen vor allem Atemaussetzer. Operiert werden sie heute meist teilweise per Tonsillotomie, nur noch selten vollständig. Sind auch die Rachenmandeln vergrößert, lassen sich beide in einem Eingriff behandeln. Leichtere Beschwerden bessern sich oft von selbst, weil die Mandeln mit dem Wachstum kleiner werden können.
Bei Erwachsenen ist die Lage anders. Die Schnarch-Leitlinie hält fest, dass sich Schnarchen und Schlafapnoe anhand der Mandelgröße nicht unterscheiden lassen. Gering invasive Verfahren an den Gaumenmandeln, etwa Tonsillotomie oder Radiofrequenz, können im Einzelfall sinnvoll sein. Invasive Eingriffe außerhalb von Nase und Weichgaumen empfiehlt sie gegen Schnarchen nicht. Bei obstruktiver Schlafapnoe durch vergrößerte Mandeln soll laut DGSM-Leitlinie eine Tonsillektomie mit Uvulopalatopharyngoplastik erwogen werden, besonders wenn CPAP oder Schiene nicht möglich sind.
In der Praxis
Für Eltern ist entscheidend, ob ein Kind nur schnarcht oder auch Atemaussetzer hat. Leises oder gelegentliches Schnarchen, etwa bei Erkältung, ist laut IQWiG harmlos. Lautes Dauerschnarchen, Atemaussetzer oder unruhiger Schlaf gehören in die kinder- oder HNO-ärztliche Praxis. Erwachsene mit großen Mandeln und Schnarchen lassen zuerst klären, ob eine Schlafapnoe vorliegt. Davon hängt ab, welcher Eingriff überhaupt infrage kommt. Die Untersuchung übernimmt die HNO-Praxis.
Weiterlesen: Mandel-OP (Tonsillektomie) gegen Schnarchen
Das gehört dazu
- Rhinitis
- Schlafphasen
- Zweischienen-System
- Zungengrundschnarchen
- Apnoe
- Rachen (Pharynx)
- Polysomnographie
- Heil- und Kostenplan
- Nasenatmung
Was oft gefragt wird
Was ist der Unterschied zwischen Tonsillektomie und Tonsillotomie?
Bei der Tonsillektomie werden die Gaumenmandeln vollständig entfernt, bei der Tonsillotomie nur teilweise. Bei Kindern mit vergrößerten Mandeln wird laut IQWiG heute meist die Tonsillotomie gewählt, die vollständige Entfernung nur noch selten.
Wann wird bei Kindern operiert?
Eine Operation kommt besonders dann infrage, wenn Atemaussetzer über längere Zeit den Schlaf stören. Bei leichteren Beschwerden ist Abwarten mit regelmäßiger HNO-Kontrolle eine Option. Das IQWiG bietet Eltern eine Entscheidungshilfe mit Vor- und Nachteilen der Behandlungen.
Bringt eine Mandelentfernung bei Erwachsenen etwas gegen Schnarchen?
Die Schnarch-Leitlinie hält gering invasive Eingriffe an den Gaumenmandeln im Einzelfall für sinnvoll. Invasive Verfahren außerhalb von Nase und Weichgaumen empfiehlt sie gegen Schnarchen nicht. Bei Schlafapnoe ist die Lage anders und wird schlafmedizinisch bewertet.
Können Gaumen- und Rachenmandel zusammen operiert werden?
Ja. Sind beide vergrößert, können sie laut IQWiG in einem Eingriff behandelt werden, als Adenotonsillektomie oder Adenotonsillotomie. Hat ein Kind zusätzlich einen anhaltenden Paukenerguss, wird oft im selben Eingriff ein Paukenröhrchen eingesetzt.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Vergrößerte Mandeln bei Kindern (Stand 2022-11)
- S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen (AWMF 017-068, DGHNO-KHC), Fassung 2019 (Stand 2019-03)
- Teil-Aktualisierung S3-Leitlinie Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen (AWMF 063-001, DGSM) (Stand 2020-09)
Nächster Schritt
Schnarch-Check starten