Glossar

Unterkieferprotrusion

Kurze Definition, Einordnung, verwandte Begriffe: Diese Seite ist der Einstieg zu Unterkieferprotrusion.

Definition

Unterkieferprotrusion bezeichnet das Vorschieben des Unterkiefers nach vorn. In der Schlafmedizin ist damit die gezielte Vorverlagerung durch eine Schiene gemeint: Der vorgeschobene Unterkiefer nimmt Zunge und Weichgewebe mit, erweitert und stabilisiert dadurch den Rachen und verringert die Vibration des Gewebes beim Atmen im Schlaf.

Was dahinter steckt

Wie weit sich der Unterkiefer vorschieben lässt, ist individuell. Die S1-Leitlinie zur Unterkieferprotrusionsschiene misst diese Protrusionskapazität im Liegen von der weitesten aktiv möglichen Rückwärtsposition bis zur weitesten Vorwärtsposition, jeweils nach drei Versuchen. Die Strecke dient als Bezugsgröße für die Einstellung der Schiene und wird für jeden Patienten einzeln bestimmt. Die Schnarch-Leitlinie empfiehlt eine Schiene nur bei ausreichend möglicher Vorschubbewegung. Synonyme für die Geräte sind mandibuläre Protrusionsschiene, Esmarch-Orthese, progenierende Schiene und im Englischen mandibular advancement device.

Für die Wirkung zählt, dass überhaupt vorverlagert wird. Schienen, die den Unterkiefer in normaler Bisslage halten, schneiden laut Schnarch-Leitlinie in Studien signifikant schlechter ab als Schienen mit Vorschub. Eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Millimetern und Effekt beschreibt die Literatur dagegen nicht. Die S1-Leitlinie formuliert es so: Mehr Vorschub macht eine Wirkung wahrscheinlicher, ein linearer Zusammenhang besteht aber nicht. Mit dem Vorschub steigt die Belastung von Kaumuskeln und Kiefergelenken, deshalb wird schrittweise eingestellt.

Was das für Schnarcher bedeutet

Bevor eine Schiene infrage kommt, schätzt die Zahnarztpraxis die mögliche Protrusion ein und erhebt Zahnstatus und Funktionsbefund von Kiefergelenk und Kaumuskulatur. So verlangt es die Schnarch-Leitlinie. Lässt sich der Unterkiefer kaum vorschieben, ist eine Protrusionsschiene ungeeignet. In den ersten Wochen sind Spannungsgefühle in Kaumuskeln oder Kiefergelenken möglich. Die S1-Leitlinie beschreibt sie als meist vorübergehend und empfiehlt Kiefergymnastik morgens und abends.

Weiterlesen: Protrusionsschiene

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Fragen und Antworten

Wie weit muss der Unterkiefer nach vorn?

Eine feste Millimeterzahl gibt es nicht. Die S1-Leitlinie empfiehlt eine angenehme Startposition bei etwa der Hälfte der individuellen Vorschubstrecke. Von dort wird in kleinen Schritten nachjustiert, bis Wirkung und Verträglichkeit passen.

Warum wirkt eine Schiene ohne Vorschub schlechter?

Ohne Vorverlagerung bleibt der Rachenraum so eng wie zuvor. Studien, in denen Schienen ohne Vorschub als Vergleich dienten, zeigen laut Schnarch-Leitlinie signifikant schwächere Effekte. Die Wirkung hängt also an der Bewegung des Unterkiefers, nicht am bloßen Tragen.

Schadet die Vorverlagerung dem Kiefergelenk?

Kurz- bis mittelfristig können Spannungsgefühle oder Schmerzen in Kaumuskeln und Kiefergelenken auftreten. Laut S1-Leitlinie gehen sie meist mit der Zeit zurück. Selten führen anhaltende Beschwerden zum Abbruch. Regelmäßige Kontrollen sollen solche Verläufe früh erkennen.

Was ist der Unterschied zwischen Protrusion und Retrusion?

Protrusion ist die Bewegung des Unterkiefers nach vorn, Retrusion die Bewegung nach hinten. Beide Endpunkte zusammen ergeben die Strecke, an der sich die Einstellung einer Schnarchschiene orientiert. Eine gute Schiene lässt sich in beide Richtungen nachjustieren.

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