Gaumen & Operation

Mandel-OP (Tonsillektomie)

Entfernung oder Verkleinerung vergrößerter Gaumenmandeln, die den Rachen im Schlaf einengen.

Kurz beantwortet

Eine Mandel-OP kann Schnarchen nur mindern, wenn vergrößerte Gaumenmandeln den Rachen einengen. Für einfaches Schnarchen hält die S3-Leitlinie gering invasive Eingriffe an den Mandeln im Einzelfall für sinnvoll. Bei Schlafapnoe durch vergrößerte Mandeln empfiehlt die Apnoe-Leitlinie, eine Mandelentfernung mit Gaumensegel-OP zu erwägen.

Die Gaumenmandeln, medizinisch Tonsillen, liegen links und rechts im Rachen hinter dem Gaumenbogen. Sind sie stark vergrößert, engen sie den Atemweg ein, besonders im Schlaf, wenn die Muskelspannung nachlässt. Bei der Tonsillektomie werden die Mandeln vollständig entfernt. Bei der Tonsillotomie wird nur ein Teil abgetragen, ähnlich wirkt die Verkleinerung per Radiofrequenz. Die vollständige Entfernung wird bei Erwachsenen mit Schnarchen oder Schlafapnoe meist mit einer Straffung des Gaumens kombiniert, der Uvulopalatopharyngoplastik.

Passend ist der Eingriff nur bei einem entsprechenden Befund: vergrößerte Mandeln, die bei der Untersuchung als Engstelle auffallen. Bei Kindern sind vergrößerte Mandeln und Rachenmandeln eine häufige Ursache für Schnarchen; dieser Eintrag bezieht sich auf Erwachsene.

Zum Belegstand für das Schnarchen: Die S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen“ zählt Eingriffe an den Gaumenmandeln zu den Verfahren, die vor allem bei Schlafapnoe eingesetzt werden und beim Schnarchen nicht hinreichend untersucht sind. Sie hält gering invasive Verfahren an den Gaumenmandeln im Einzelfall für sinnvoll. Invasive operative Verfahren außerhalb von Nase und Weichgaumen empfiehlt sie zur Schnarchtherapie nicht. Für die Schlafapnoe ist die Lage klarer: Die Teil-Aktualisierung der Leitlinie zu schlafbezogenen Atmungsstörungen empfiehlt 2020, bei einer durch vergrößerte Mandeln verursachten Enge im Rachen eine Tonsillektomie mit UPPP zu erwägen, insbesondere wenn CPAP oder eine Unterkieferprotrusionsschiene nicht möglich sind oder nicht vertragen werden (Evidenzlevel 1a, Empfehlungsgrad A).

Zum Ablauf: Die vollständige Entfernung erfolgt in Vollnarkose, meist stationär. Danach sind Schluckschmerzen über einige Zeit typisch, und es besteht ein Nachblutungsrisiko, für das die Klinik Verhaltensregeln mitgibt. Teilentfernungen gelten als weniger belastend. Vor dem Eingriff klärt die Untersuchung, ob die Mandeln die Engstelle sind oder ob Gaumen, Zungengrund oder Nase im Vordergrund stehen.

Grenzen: Ohne vergrößerte Mandeln bringt der Eingriff für das Schnarchen nichts, und die Risiken einer Operation bleiben trotzdem bestehen. Bei Verdacht auf Atemaussetzer gehört eine schlafmedizinische Diagnostik vor jede Operationsentscheidung.

Die Kombination mit der Gaumenstraffung beschreibt Gaumensegel-OP (UPPP) gegen Schnarchen, die Implantat-Therapie bei Schlafapnoe Zungenschrittmacher (nur bei Schlafapnoe) gegen Schnarchen. Den Vergleich der Eingriffe zeigt OP gegen Schnarchen, Schnarchen bei Kindern behandelt Schnarchen bei Kindern.

Steckbrief

WirkprinzipVergrößerte Gaumenmandeln werden vollständig entfernt (Tonsillektomie) oder verkleinert (Tonsillotomie, Radiofrequenz), um den Rachen zu erweitern.
SchnarchtypSchnarchen bei vergrößerten Gaumenmandeln; bei Erwachsenen mit Schlafapnoe durch Mandelvergrößerung.
BelegstandGering invasive Verfahren an den Gaumenmandeln können bei Schnarchen im Einzelfall sinnvoll sein; invasive Eingriffe außerhalb von Nase und Weichgaumen werden zur Schnarchtherapie nicht empfohlen (S3-Leitlinie Schnarchen AWMF 017-068, Stand 03/2019); bei Schlafapnoe durch Mandelvergrößerung soll Tonsillektomie mit UPPP erwogen werden (Evidenzlevel 1a, Empfehlungsgrad A; S3-Leitlinie SBAS, Teil-Aktualisierung 2020).
BezugswegHNO-Praxis zur Untersuchung, Eingriff in HNO-Klinik.
Für wen nichtFür Schnarcher ohne vergrößerte Mandeln; als alleinige Schnarchtherapie bei Erwachsenen ohne passenden Befund.
KostenübernahmeVorab mit der Krankenkasse klären; laut S3-Leitlinie gehören nicht alle Verfahren zur Schnarchtherapie zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (AWMF 017-068, Stand 03/2019).

Fragen und Antworten

Hilft eine Mandel-OP gegen Schnarchen bei Erwachsenen?

Nur wenn vergrößerte Gaumenmandeln den Rachen einengen. Die S3-Leitlinie zum Schnarchen hält gering invasive Eingriffe an den Mandeln im Einzelfall für sinnvoll und rät von invasiven Eingriffen außerhalb von Nase und Weichgaumen zur reinen Schnarchtherapie ab.

Was ist der Unterschied zwischen Tonsillektomie und Tonsillotomie?

Bei der Tonsillektomie werden die Gaumenmandeln vollständig entfernt, bei der Tonsillotomie nur teilweise. Die Teilentfernung gilt als weniger belastend für die Heilung. Welche Variante passt, hängt vom Befund und vom Behandlungsziel ab.

Wann wird eine Mandel-OP bei Schlafapnoe empfohlen?

Wenn vergrößerte Mandeln eine Enge im Rachen verursachen. Die Leitlinie zu schlafbezogenen Atmungsstörungen empfiehlt dann, eine Mandelentfernung mit UPPP zu erwägen, besonders wenn CPAP oder eine Unterkieferprotrusionsschiene nicht möglich sind oder nicht vertragen werden.

Welche Risiken hat eine Mandelentfernung?

Typisch sind Schluckschmerzen über einige Zeit und ein Nachblutungsrisiko in der Heilungsphase. Deshalb gelten nach dem Eingriff Verhaltensregeln. Die individuelle Aufklärung in der Klinik nennt weitere Risiken und den erwarteten Heilungsverlauf.

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