Glossar
Protrusionsgrad (Vorschub)
Protrusionsgrad (Vorschub) gehört zu den Begriffen, die beim Thema Schnarchen vorausgesetzt, aber selten erklärt werden. Diese Seite liefert die Definition und ordnet den Begriff ein.
Definition
Der Protrusionsgrad, umgangssprachlich Vorschub, gibt an, wie weit eine Schnarchschiene den Unterkiefer nach vorn hält. Angegeben wird er in Millimetern oder als Anteil der persönlichen Protrusionskapazität, also der Strecke zwischen der weitesten Rückwärts- und der weitesten Vorwärtsposition des Unterkiefers, gemessen im Liegen.
Kurz eingeordnet
Für die Startposition nennt die S1-Leitlinie zur Unterkieferprotrusionsschiene zwei Bedingungen: Sie soll schmerz- und spannungsfrei sein und möglichst bei etwa 50 Prozent der maximalen Protrusionskapazität liegen. Gemessen wird vom Punkt der maximalen aktiven Rückwärtsbewegung aus, weil sich dieser Ausgangspunkt am besten reproduzieren lässt. In der Literatur schwanken empfohlene Startwerte zwischen 6 und 90 Prozent, vor allem weil unterschiedliche Messpunkte verwendet werden. Neben dem Vorschub legt der Zahnarzt die Bisshebung und eine mögliche seitliche Abweichung des Unterkiefers fest.
Damit der Vorschub später angepasst werden kann, fordert die Leitlinie nachjustierbare Schienen. Die Einstellung soll in reproduzierbaren Schritten von bis zu einem Millimeter möglich sein, mindestens fünf Millimeter nach vorn und einen Millimeter nach hinten. Mehr Vorschub erhöht die Chance auf Wirkung, ohne dass die Beziehung linear wäre. Gleichzeitig steigen Belastung und Nebenwirkungen. Mit zunehmender Bisshebung, also größerem Abstand zwischen den Zahnreihen, nehmen laut Leitlinie die absolut gemessene Protrusion und die Bereitschaft zum Tragen ab.
Bezug zum Schnarchen
Im Alltag beginnt man mit der Startposition und erhöht den Vorschub nach dem Protokoll der Zahnarztpraxis in kleinen Schritten. Ziel ist der geringste Vorschub, der ausreichend wirkt und gut vertragen wird. Morgendliches Spannungsgefühl in der Kaumuskulatur nach einer Erhöhung ist häufig und meist vorübergehend. Bei diagnostizierter Schlafapnoe bestätigt der Schlafmediziner nach Abschluss der Einstellung die Wirkung mit einer Messung. Bei einfachem Schnarchen dienen Partnerbeobachtung und Schnarchprotokoll als Orientierung.
Weiterlesen: Protrusionsschiene
Verwandte Begriffe
- Rachenmandeln (Adenoide)
- Obstruktives Schnarchen
- Rhinomanometrie
- Bruxismus
- Atemwegswiderstand
- Rhinitis
- Abformung (Zahnabdruck)
- Positionstherapie
- Gaumensegel
Häufige Fragen
Welcher Vorschub ist der richtige?
Der richtige Vorschub ist individuell. Er liegt dort, wo Schnarchen oder Atemaussetzer ausreichend zurückgehen und Kiefer und Zähne die Position vertragen. Die S1-Leitlinie empfiehlt den Einstieg bei etwa der Hälfte der persönlichen Vorschubstrecke und die Anpassung in kleinen Schritten.
Was bedeutet 50 Prozent Vorschub?
Gemeint ist die Hälfte der Strecke zwischen der weitesten Rückwärts- und der weitesten Vorwärtsposition des Unterkiefers. Kann jemand den Unterkiefer insgesamt zehn Millimeter bewegen, entsprächen 50 Prozent fünf Millimetern ab der hintersten Position.
Darf man den Vorschub selbst verstellen?
Nur nach dem Protokoll, das die Zahnarztpraxis vorgibt. Die S1-Leitlinie sieht eine Einweisung in ein Nachjustierschema vor, die Verantwortung für die Einstellung liegt aber beim Zahnarzt. Eigenmächtige große Sprünge erhöhen das Risiko für Kiefer- und Muskelbeschwerden.
Warum schmerzen die Kaumuskeln nach einer Erhöhung?
Die Muskeln halten den Unterkiefer über Stunden in einer ungewohnten Position. Nach jeder Erhöhung müssen sie sich neu anpassen. Die S1-Leitlinie beschreibt diese Beschwerden als meist vorübergehend und empfiehlt Kiefergymnastik nach dem Herausnehmen und vor dem Einsetzen.
Quellen
Nächster Schritt
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