Glossar

Unterkieferrücklage (Retrognathie)

Kurze Definition, Einordnung, verwandte Begriffe: Diese Seite ist der Einstieg zu Unterkieferrücklage (Retrognathie).

Definition

Eine Unterkieferrücklage (Retrognathie) liegt vor, wenn der Unterkiefer im Verhältnis zu Oberkiefer und Gesichtsschädel nach hinten versetzt ist. Das Kinn wirkt dann fliehend. Weil Zunge und Mundbodenmuskulatur am Unterkiefer ansetzen, rücken sie mit ihm zurück und verkleinern den Raum im Rachen, durch den im Schlaf die Atemluft strömt.

Einordnung

Das MSD Manual zählt einen kleinen oder nach hinten verschobenen Kiefer zu den Risikofaktoren für Schnarchen und nennt Retrognathie und Mikrogenie unter den strukturellen Faktoren, die den oberen Atemweg vorbelasten. Bei der körperlichen Untersuchung gilt ein kleiner oder zurückverlagerter Unterkiefer als Warnzeichen für obstruktive Schlafapnoe. Auch das IQWiG beschreibt einen zu kleinen Unterkiefer als typische Besonderheit im Mund- und Rachenraum bei Schlafapnoe. Der Mechanismus ist räumlich: Je weiter der Unterkiefer zurückliegt, desto näher rückt der Zungengrund an die hintere Rachenwand.

Die HNO-Leitlinie zum Schnarchen sieht bei jedem Schnarcher eine orientierende Beurteilung der Morphologie des Gesichtsschädels vor. Für genauere Fragen stehen bildgebende Verfahren wie die seitliche Fernröntgenaufnahme zur Verfügung, mit der sich unter anderem Dicke und Länge des weichen Gaumens vermessen lassen; zur Routine gehören sie allerdings nicht. Therapeutisch setzt die Unterkieferprotrusionsschiene genau an dieser Stelle an: Sie verlagert den Unterkiefer nach vorn und erweitert und stabilisiert so den oberen Atemweg. Voraussetzung ist laut Leitlinie eine ausreichend mögliche Vorschubbewegung des Unterkiefers.

In der Praxis

Wer ein fliehendes Kinn hat und schnarcht, sollte zuerst Atemaussetzer ausschließen lassen, weil die Rücklage auch ein Risikomerkmal für Schlafapnoe ist. Kommt danach eine Schiene infrage, verlangt die Leitlinie eine zahnärztliche Einschätzung: Zahnstatus, mögliche Vorschubstrecke des Unterkiefers sowie ein orientierender Befund von Kiefergelenk und Kaumuskulatur. Anpassung und Kontrolle sollen mit zahnmedizinischer und schlafmedizinischer Expertise erfolgen. Welche Rolle der Kiefer unter den Schnarchursachen spielt, ordnet die Zielseite ein.

Weiterlesen: Schnarchen

Verwandte Begriffe

Fragen und Antworten

Was ist der Unterschied zwischen Retrognathie und Mikrogenie?

Bei der Retrognathie ist der Unterkiefer nach hinten versetzt, bei der Mikrogenie ist das Kinn beziehungsweise der Unterkiefer zu klein angelegt. Beide Befunde verkleinern den Raum hinter der Zunge und werden im MSD Manual als Faktoren genannt, die Schnarchen begünstigen.

Erkennt man eine Unterkieferrücklage von außen?

Oft ja, an einem fliehenden Kinn im Profil. Leichtere Formen fallen erst bei der zahnärztlichen oder kieferorthopädischen Untersuchung auf. Eine seitliche Röntgenaufnahme kann die Lage der Kiefer genauer vermessen, gehört bei Schnarchen aber nicht zur Routine.

Warum schnarchen Menschen mit Unterkieferrücklage häufiger?

Zunge und Mundboden hängen am Unterkiefer. Liegt er weiter hinten, liegt auch der Zungengrund näher an der Rachenhinterwand. Im Schlaf, wenn die Muskelspannung nachlässt, bleibt dort weniger Platz und das Gewebe flattert oder verschließt den Atemweg leichter.

Was prüft der Zahnarzt vor einer Schnarchschiene?

Nach der HNO-Leitlinie soll er die mögliche Vorschubbewegung des Unterkiefers einschätzen, den Zahnstatus erheben und Kiefergelenk sowie Kaumuskulatur orientierend untersuchen. Ohne ausreichenden Vorschub soll eine Unterkieferprotrusionsschiene nicht eingesetzt werden, weil sie ihre Wirkung gerade über das Vorverlagern des Kiefers entfaltet.

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