Glossar
Sauerstoffentsättigungsindex (ODI)
Wer Sauerstoffentsättigungsindex (ODI) einordnen kann, versteht Ursachen und Behandlungswege beim Schnarchen besser. Die Definition steht direkt unten.
Definition
Der Sauerstoffentsättigungsindex (ODI, oxygen desaturation index) gibt an, wie oft pro Stunde die Sauerstoffsättigung im Blut um einen festgelegten Wert unter den Ausgangswert fällt. Üblich sind Schwellen von 3 oder 4 Prozent. Der ODI wird per Pulsoxymetrie ermittelt und dient als Hinweis auf nächtliche Atemstörungen.
Was dahinter steckt
Wie gut der ODI eine Schlafapnoe erkennt, hat eine systematische Übersicht im Laryngoscope untersucht. Acht Studien mit 1.924 Patienten verglichen ihn mit dem Apnoe-Hypopnoe-Index. Die Sensitivität schwankte zwischen 32 und 98,5 Prozent, die Spezifität zwischen 47,7 und 98 Prozent. Für einen 4-Prozent-ODI von mindestens 15 Ereignissen pro Stunde lag die Spezifität bei 75 bis 98 Prozent. Die Autoren schlagen vor, bei diesem Wert eine Schlafapnoe in Betracht zu ziehen und ab 10 Ereignissen pro Stunde weiter abzuklären, betonen aber weiteren Forschungsbedarf.
Der ODI misst nur, was sich im Sauerstoff niederschlägt. Atemstörungen ohne nennenswerte Entsättigung, etwa beim Syndrom des erhöhten oberen Atemwegswiderstands, erfasst er nicht; das MSD Manual beschreibt diese leichteren Formen ausdrücklich als Störungen ohne Sauerstoffentsättigung. Umgekehrt erkennt die Pulsoxymetrie keine Schlafstadien und keine Weckreaktionen. Die Schweizer HNO-Fachgesellschaft nennt die nächtliche Sauerstoffmessung zu Hause dennoch als praktikablen ersten Schritt, um bei Schnarchern eine obstruktive Schlafapnoe auszuschließen. Ihre Stärke liegt im geringen Aufwand, ihre Grenze in der fehlenden Information über Atemfluss und Schlaf.
In der Praxis
Ein erhöhter ODI ist ein Anlass für eine weitergehende ärztliche Abklärung, meist mit Polygraphie oder Polysomnographie. Ein unauffälliger ODI schließt eine schlafbezogene Atmungsstörung dagegen nicht sicher aus, vor allem wenn Tagesmüdigkeit besteht oder der Partner Atempausen beobachtet. Wer einen Befund mit ODI erhält, sollte nachfragen, welche Schwelle verwendet wurde, denn 3- und 4-Prozent-Werte sind nicht direkt vergleichbar. Die Zielseite grenzt Schnarchen und Schlafapnoe voneinander ab.
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Was oft gefragt wird
Was ist der Unterschied zwischen ODI und AHI?
Der AHI zählt Atemereignisse, also Apnoen und Hypopnoen, anhand von Atemfluss und Begleitsignalen. Der ODI zählt nur Abfälle der Sauerstoffsättigung. Beide hängen zusammen, sind aber nicht austauschbar, weil nicht jedes Atemereignis die Sättigung messbar senkt.
Was bedeutet 3-Prozent- oder 4-Prozent-ODI?
Die Zahl nennt die Schwelle, ab der ein Abfall gezählt wird. Beim 4-Prozent-ODI muss die Sättigung um mindestens 4 Prozentpunkte unter den Ausgangswert sinken. Ein 3-Prozent-ODI zählt auch kleinere Abfälle und liegt deshalb meist höher.
Kann ein normaler ODI eine Schlafapnoe ausschließen?
Nicht sicher. Die systematische Übersicht im Laryngoscope fand je nach Studie sehr unterschiedliche Sensitivitäten. Zudem erfasst der ODI keine Atemstörungen ohne Sauerstoffabfall. Bei Beschwerden oder beobachteten Atempausen ist eine weitergehende Messung sinnvoll.
Wie wird der ODI gemessen?
Mit einem Pulsoxymeter, das während der Nacht kontinuierlich die Sauerstoffsättigung aufzeichnet. Die Auswertungssoftware zählt die Abfälle unter die gewählte Schwelle und teilt sie durch die Aufzeichnungs- oder Schlafdauer. Die Messung ist auch zu Hause möglich.
Quellen
- Rashid NH et al.: The Value of Oxygen Desaturation Index for Diagnosing Obstructive Sleep Apnea – A Systematic Review, Laryngoscope 131(2):440–447 (Stand 2021-02)
- Berry RB et al.: Rules for scoring respiratory events in sleep (AASM), J Clin Sleep Med 8(5):597–619 (Stand 2012-10)
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Obstruktive Schlafapnoe (Stand 2026-01)
- Schweizerische Gesellschaft für ORL (SGORL): Patienteninformation Schnarchen (Rhonchopathie) (Stand 2023-08)
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