Glossar
Aufbissschiene
Diese Glossarseite erklärt Aufbissschiene so, dass sich Befunde, Ratgeber und Produktbeschreibungen damit sicher lesen lassen.
Definition
Eine Aufbissschiene, fachlich Okklusionsschiene, ist eine dünne Kunststoffschiene, die auf die obere oder untere Zahnreihe angepasst wird. Getragen wird sie meist nachts. Sie schützt die Zähne vor Abrieb durch Knirschen und Pressen und entlastet Kaumuskeln und Kiefergelenke. Den Unterkiefer schiebt sie nicht nach vorn.
Was dahinter steckt
Eingesetzt wird die Aufbissschiene vor allem bei Bruxismus und bei craniomandibulärer Dysfunktion. Das MSD Manual beschreibt, dass sie Knirschen und Pressen oft verringert, sodass sich die Kiefermuskeln entspannen und erholen können. Gefertigt wird sie in der Regel nach einem Abdruck durch die Zahnarztpraxis. Für einzelne Patienten kommt laut MSD Manual auch ein rezeptfreier, zu Hause mit Wärme verformbarer Mundschutz infrage. Je nach Befund sitzt sie im Ober- oder im Unterkiefer, nie in beiden zugleich.
Die S1-Leitlinie zur Unterkieferprotrusionsschiene grenzt beide Schienenarten ausdrücklich voneinander ab. Okklusionsschienen dienen dem Schutz der Zähne vor Bruxismus. Unterkieferprotrusionsschienen verankern sich in beiden Kiefern und halten den Unterkiefer vorn, um den Rachen zu erweitern. Der Unterschied ist für das Schnarchen entscheidend: Eine Schiene auf nur einer Zahnreihe verändert die Lage von Unterkiefer und Zunge nicht und erweitert den Atemweg deshalb nicht. Umgangssprachliche Namen wie Knirscherschiene oder Beißschiene meinen meist die Aufbissschiene.
Was das für Schnarcher bedeutet
Wer bereits eine Aufbissschiene trägt und schnarcht, spricht das in der Zahnarztpraxis an. Beide Schienen gleichzeitig zu tragen ist nicht vorgesehen, weil sie dieselben Zahnflächen beanspruchen. Die S1-Leitlinie berichtet, dass unter einer Unterkieferprotrusionsschiene weniger Knirschepisoden auftraten. Ob sie die Aufbissschiene ersetzen kann, entscheidet die Praxis nach Befund. Bei Verdacht auf Atemaussetzer geht der ärztlichen Abklärung keine Schienenwahl voraus. Passform und Abnutzung kontrolliert die Praxis bei beiden Schienen regelmäßig.
Weiterlesen: Schnarchschiene
Das gehört dazu
- Gaumensegel
- Weichteilvibration
- Kiefergelenk
- Nasenatmung
- Rachen (Pharynx)
- Schlafapnoe
- Makroglossie
- Primäres Schnarchen
- Intraoralscan
Was oft gefragt wird
Hilft eine Aufbissschiene gegen Schnarchen?
Dafür ist sie nicht gebaut. Sie sitzt auf einer Zahnreihe und verändert die Lage des Unterkiefers nicht, deshalb erweitert sie den Rachen nicht. Gegen Schnarchen kommt eine Unterkieferprotrusionsschiene infrage, die in beiden Kiefern verankert ist.
Woran erkennt man den Unterschied zur Schnarchschiene?
Die Aufbissschiene besteht aus einem Teil für einen Kiefer. Eine Schnarchschiene im Sinne der Leitlinie hat Teile für Ober- und Unterkiefer, die über Stege, Gelenke oder Bänder verbunden sind und den Unterkiefer nach vorn halten.
Kann eine Schnarchschiene die Aufbissschiene ersetzen?
Das entscheidet die Zahnarztpraxis nach Befund. Die S1-Leitlinie berichtet von weniger Knirschepisoden unter Unterkieferprotrusionsschienen. Bei starkem Bruxismus ist die Belastung der Schiene zu bedenken, weil Brüche und Abplatzungen möglich sind.
Wer fertigt eine Aufbissschiene an?
Die Zahnarztpraxis nimmt einen Abdruck oder Scan, das Dentallabor fertigt die Schiene. Anschließend wird sie im Mund eingeschliffen, damit der Biss gleichmäßig trifft. Regelmäßige Kontrollen prüfen Passform und Abnutzung. Die Kosten klärt man vorab mit der Praxis.
Quellen
- MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Kiefergelenkerkrankungen (CMD) (Stand 2025-08)
- MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Zähneknirschen (Bruxismus) (Stand 2026-03)
- S1-Leitlinie Die Unterkieferprotrusionsschiene (UPS): Anwendung in der zahnärztlichen Schlafmedizin beim Erwachsenen (AWMF 083-045, DGZS/DGZMK) (Stand 2021-11)
Nächster Schritt
Schnarch-Check starten