Gaumen & Operation
Radiofrequenztherapie (Somnoplastik)
Ambulanter Eingriff, bei dem Radiofrequenzenergie das Gewebe im weichen Gaumen vernarben und straffen lässt.
Kurz beantwortet
Die Radiofrequenztherapie kann Schnarchen mindern, wenn der weiche Gaumen die Quelle ist. Die S3-Leitlinie empfiehlt sie als gering invasives Verfahren mit hohem Empfehlungsgrad, gestützt auf eine placebokontrollierte Studie. Der Effekt war dort moderat, teils sind mehrere Sitzungen nötig, und in Langzeitbeobachtungen nahm das Schnarchen nach einiger Zeit wieder zu.
Bei der Radiofrequenztherapie des weichen Gaumens, auch Somnoplastik genannt, führt die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt unter örtlicher Betäubung eine dünne Sonde in das Gewebe des Gaumensegels ein. Über die Sonde wird Radiofrequenzenergie abgegeben, die das Gewebe im Inneren gezielt erwärmt. In den folgenden Wochen vernarbt das behandelte Gewebe und zieht sich zusammen. Der Gaumen wird dadurch straffer und vibriert beim Atmen im Schlaf weniger. Die Schleimhaut an der Oberfläche bleibt weitgehend erhalten, deshalb zählt das Verfahren zu den gering invasiven Eingriffen.
Passend ist die Behandlung für Schnarchen, das vom weichen Gaumen ausgeht. Laut S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen“ ist das bei einfachem Schnarchen die häufigste Quelle. Vor dem Eingriff steht eine Untersuchung, die die Schnarchquelle eingrenzt und eine Schlafapnoe ausschließt; die Leitlinie nennt dafür unter anderem die Schlafendoskopie und eine objektivierende schlafmedizinische Messung bei Therapiewunsch.
Zum Belegstand: Die Leitlinie empfiehlt, bei Gaumenschnarchen und bestehendem Behandlungswunsch gering invasive Eingriffe wie die Radiofrequenztherapie einzusetzen (Evidenzlevel 1b, Empfehlungsgrad A). Grundlage ist unter anderem eine randomisierte, placebokontrollierte Studie (Stuck 2005) mit 26 Schnarchern: Nach zwei Sitzungen sank das vom Partner eingeschätzte Schnarchen in der Behandlungsgruppe, in der Placebogruppe nicht; die Autoren bezeichneten den Effekt als moderat. Mehrere Studien zeigen, dass das Schnarchen nach einer anfänglichen Besserung über Monate bis Jahre wieder zunimmt. Gemessen wurde überwiegend mit Skalen, die Bettpartner ausfüllen, was eine gewisse Subjektivität mit sich bringt. Die Leitlinie hält fest, dass Gaumenchirurgie meist eine Reduktion, selten eine vollständige Beseitigung des Schnarchens erreicht.
Zum Ablauf: In der placebokontrollierten Studie wurde unter örtlicher Betäubung in zwei Sitzungen im Abstand von vier bis sechs Wochen behandelt. Die Autoren der von der Leitlinie ausgewerteten Studien berichten übereinstimmend, dass teilweise mehrere Sitzungen nötig sind, bis der gewünschte Effekt am Gaumen erreicht ist. Vorübergehende Beschwerden beim Schlucken sind nach Eingriffen am Gaumen möglich; die behandelnde Praxis erklärt den erwarteten Verlauf.
Grenzen: Mit steigendem Körpergewicht nimmt die Wirksamkeit chirurgischer Verfahren laut Leitlinie ab. Bei Schnarchen aus Nase, Zungengrund oder bei Atemaussetzern ist der Eingriff nicht der richtige Weg.
Weitere Eingriffe am Gaumen sind die Laser-OP am Gaumen (LAUP) gegen Schnarchen und die Gaumensegel-OP (UPPP) gegen Schnarchen. Den Überblick über alle Verfahren gibt OP gegen Schnarchen; nicht-operativ ist die Unterkieferprotrusionsschiene, beschrieben unter Schnarchschiene.
Daten im Überblick
| Wirkprinzip | Eine Sonde gibt unter örtlicher Betäubung Radiofrequenzenergie in das Gewebe des weichen Gaumens ab; die entstehende Vernarbung soll das Gewebe straffen und weniger vibrieren lassen. |
|---|---|
| Schnarchtyp | Schnarchen, dessen vermutete Quelle der weiche Gaumen ist. |
| Belegstand | Gering invasive Eingriffe wie die Radiofrequenztherapie sollen bei Gaumenschnarchen und Behandlungswunsch eingesetzt werden (Evidenzlevel 1b, Empfehlungsgrad A); Effekt nimmt in Langzeitbeobachtungen wieder ab (S3-Leitlinie Schnarchen AWMF 017-068, Stand 03/2019; Stuck et al. 2005). |
| Bezugsweg | HNO-Praxis oder HNO-Klinik nach Untersuchung; meist ambulant unter örtlicher Betäubung. |
| Für wen nicht | Bei Verdacht auf Schlafapnoe ohne vorherige schlafmedizinische Abklärung; wenn das Schnarchen nicht vom Gaumen ausgeht; laut Leitlinie Zurückhaltung bei Adipositas. |
| Kostenübernahme | Vorab mit der Krankenkasse klären; laut S3-Leitlinie gehören nicht alle Verfahren zur Schnarchtherapie zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (AWMF 017-068, Stand 03/2019). |
Fragen und Antworten
Ist die Radiofrequenztherapie gegen Schnarchen schmerzhaft?
Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung. In den Tagen danach können Schluckbeschwerden und ein Schwellungsgefühl im Rachen auftreten. Im Vergleich zu größeren Gaumenoperationen gilt das Verfahren laut S3-Leitlinie als gering invasiv mit geringer Komplikationsrate.
Wie lange hält die Wirkung der Somnoplastik?
Mehrere Langzeitbeobachtungen zeigen, dass das Schnarchen nach einer anfänglichen Besserung über Monate bis Jahre wieder zunimmt. Teilweise wird der Eingriff deshalb wiederholt. Eine dauerhafte, vollständige Beseitigung des Schnarchens ist selten.
Für wen eignet sich die Radiofrequenztherapie?
Für Menschen mit einfachem Schnarchen, dessen Quelle der weiche Gaumen ist, und bei denen eine Schlafapnoe ausgeschlossen wurde. Bei deutlichem Übergewicht rät die Leitlinie zur Zurückhaltung, weil die Wirksamkeit chirurgischer Verfahren dann abnimmt.
Zahlt die Krankenkasse die Radiofrequenztherapie?
Das sollte man vor dem Eingriff mit der Krankenkasse klären. Laut S3-Leitlinie gehören nicht alle Verfahren zur Schnarchtherapie zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Die behandelnde Praxis kann den Weg dorthin erklären.
Quellen
Passt das zu meinem Schnarchen?
Der Schnarch-Check grenzt den Schnarchtyp in zwei Minuten ein.
Weitere Mittel dieser Gruppe
- Anti-Schnarch-Spray (Rachenspray)
- Laser-OP am Gaumen (LAUP)
- Gaumensegel-OP (UPPP)
- Nasenscheidewand-OP
- Nasenmuschelverkleinerung
- Mandel-OP (Tonsillektomie)
- Zungenschrittmacher (nur bei Schlafapnoe)
Nächster Schritt
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