Gegen Schnarchen hilft das Mittel, das an der richtigen Engstelle ansetzt. Bei enger Nase helfen Nasendilatatoren, bei Rückenlage-Schnarchen Lagetraining, bei zurückfallendem Unterkiefer eine Unterkieferprotrusionsschiene. Die S3-Leitlinie zum Schnarchen gibt dieser Schiene in geeigneten Fällen den höchsten Empfehlungsgrad A.
Schnarchen hat sechs typische Muster: Nase, offener Mund, Rückenlage, Zunge und Unterkiefer, Gaumensegel und Gewohnheiten wie Alkohol am Abend. Jedes Muster braucht ein anderes Mittel. Am besten belegt ist die Unterkieferprotrusionsschiene mit Empfehlungsgrad A der S3-Leitlinie (Stand 2019, in Überarbeitung). Nasenpflaster, Lagetraining und Abnehmen wirken nur beim passenden Typ. Öle, Rachensprays, Ringe und Kinnbänder halten Leitlinie und Stiftung Warentest für ungeeignet. Atemaussetzer gehören zuerst in ärztliche Abklärung.
Den eigenen Schnarchtyp ordnet der Schnarch-Check in acht Fragen ein und nennt drei passende Mittel. Alle 28 Hilfsmittel und Therapien mit Wirkprinzip, Belegstand und Preisklasse stehen im Mittel-Verzeichnis.
Was hilft am besten gegen Schnarchen?
Am besten belegt gegen einfaches Schnarchen ist die Unterkieferprotrusionsschiene. Die S3-Leitlinie zum Schnarchen empfiehlt sie in geeigneten Fällen mit Empfehlungsgrad A. In einer randomisierten Studie von 2024 stuften Bettpartner 21 von 23 Schienenträgern als deutlich gebessert ein. Ein Mittel für alle Schnarchtypen gibt es nicht.
Eine Unterkieferprotrusionsschiene ist eine Zahnschiene für Ober- und Unterkiefer, die den Unterkiefer im Schlaf leicht nach vorn hält. Dadurch rücken Zungengrund und Gaumensegel nach vorn, der Rachen bleibt weiter. Die S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen“ (AWMF 017-068, Stand 03/2019) bewertet sie mit Evidenzlevel 1b und Empfehlungsgrad A. Die Leitlinie ist laut AWMF abgelaufen und in Überarbeitung. Eine Neufassung lag bei Redaktionsschluss am 01.10.2026 nicht vor.
Den direktesten Vergleich zweier Wege liefert eine randomisierte Studie der Washington University in St. Louis (Ioerger und Kollegen, JAMA Otolaryngology 2024). 50 Paare nahmen teil, 42 beendeten die vier Wochen. Die eine Gruppe trug eine Unterkieferprotrusionsschiene. Die andere kombinierte Nasenpflaster, Nasenspülung mit Kortisonspray, Mundpflaster und Seitenlagetraining. Die Bettpartner bewerteten 91 % der Schienengruppe und 58 % der Kombinationsgruppe als deutlich gebessert. Die Studie ist ein Pilotversuch mit subjektivem Endpunkt, sie zeigt aber: Beide Wege senken das Schnarchen, die Schiene stärker.
Dass es kein Universalmittel gibt, bestätigt die Stiftung Warentest. Sie ließ 2021 insgesamt 23 frei verkäufliche Schnarchhilfen von einem Experten anhand der Studienlage bewerten. Ihr Fazit in test 10/2021: „Ein Allheilmittel, das Schnarchen stoppen kann, gibt es nicht.“ Das beste vergebene Urteil lautete „mit Einschränkung geeignet“.
Medizinisch gilt einfaches Schnarchen laut S3-Leitlinie nicht als Erkrankung mit gesundheitlicher Gefährdung. Behandelt wird es, weil es den Schlaf des Partners stört und Betroffene darunter leiden. Daraus folgt eine klare Reihenfolge: zuerst Warnzeichen für eine Schlafapnoe ausschließen, dann den Typ bestimmen, dann gezielt ein Mittel testen.
Studien, die Schnarchhilfen an gemischten Gruppen testen, finden oft keinen Effekt. Michaelson und Mair verglichen 2004 bei 40 Schnarchern ein Rachenspray, einen Nasenstreifen und ein Lagerungskissen mit keiner Hilfe: Kein Mittel war messbar besser. Pevernagie und Kollegen testeten den Nasenstreifen dagegen nur bei 12 Menschen mit chronischer Rhinitis und fanden 173 statt 258 Schnarchgeräusche pro Stunde. Der Unterschied liegt in der Auswahl der Teilnehmer. Ein Mittel zeigt seine Wirkung in der Gruppe, deren Engstelle es behandelt.
Welcher Schnarchtyp bin ich?
Sechs Schnarchtypen lassen sich zu Hause unterscheiden: Nasenschnarchen, Mundschnarchen, Rückenlage-Schnarchen, Zungen- und Unterkieferschnarchen, Gaumensegelschnarchen und gewohnheitsbedingtes Schnarchen. Den Schnarchtyp zeigen Mundstellung, Schlaflage, Nasenatmung und Kieferform. Beobachtete Atemaussetzer haben Vorrang vor jeder Typbestimmung.
Die Typbestimmung folgt der Typ-zuerst-Methode in drei Stufen. Stufe 1 prüft Warnzeichen: Atemaussetzer, lautes Luftschnappen, ungewolltes Einnicken am Tag. Stufe 2 bestimmt den Typ über vier Beobachtungen: Ist der Mund offen? Tritt das Schnarchen nur in Rückenlage auf? Ist die Nase oft zu? Liegt das Kinn eher zurück? Stufe 3 testet genau ein Mittel und vergleicht Tonaufnahmen mit und ohne Mittel. Michaelson und Mair werteten in ihrer Studie Aufnahmen über eine Woche aus, das ist ein brauchbarer Zeitraum für den Selbstvergleich.
Der Schnarch-Check bildet die Stufen 1 und 2 ab. Er vergibt Punkte für jeden Typ und schaltet bei Atemaussetzern oder starker Tagesmüdigkeit auf das Ergebnis „ärztlich abklären“ um. Die folgende Typ-Mittel-Matrix fasst zusammen, welches Mittel zu welchem Typ gehört.
| Schnarchtyp | Typischer Hinweis | Passende Mittel | Belegstand laut S3-Leitlinie 2019 |
|---|---|---|---|
| Nase | Nase nachts oft zu, Allergie, schiefe Scheidewand | Nasenpflaster, Nasenspreizer, Nasen-OP | Dilatatoren: Therapieversuch „sollte“ angeboten werden |
| Offener Mund | Mund steht offen, Nase ist frei | Mundpflaster, Kinnband, Mundvorhofplatte | keine Empfehlung, Studien klein und widersprüchlich |
| Rückenlage | Schnarchen fast nur auf dem Rücken | Positionstrainer, Anti-Schnarch-Kissen, Rucksack | Empfehlungsgrad B |
| Zunge und Unterkiefer | Mund zu, jede Lage, fliehendes Kinn | Unterkieferprotrusionsschiene | Empfehlungsgrad A, Evidenzlevel 1b |
| Gaumensegel | keine eindeutigen Hinweise auf andere Typen | Radiofrequenztherapie, Schiene | Radiofrequenz: Empfehlungsgrad A bei Behandlungswunsch |
| Gewohnheiten | Alkohol am Abend, Gewichtszunahme | Alkoholverzicht, Gewichtsreduktion | Gewichtsreduktion: Empfehlungsgrad A, Datenlage begrenzt |
Was hilft gegen Schnarchen durch die Nase?
Gegen Schnarchen durch eine enge Nase helfen Nasendilatatoren, sofern die Engstelle vorn im Naseneingang liegt. Die S3-Leitlinie empfiehlt dafür einen Therapieversuch mit inneren oder äußeren Dilatatoren. Bei dauerhaft verlegter Nase klärt eine HNO-Untersuchung, ob eine Operation an Scheidewand oder Nasenmuscheln sinnvoll ist.
Die Nase erzeugt das Schnarchgeräusch nicht selbst. Das Geräusch entsteht laut S3-Leitlinie durch vibrierendes Weichgewebe im Rachen, häufig am Gaumensegel. Eine behinderte Nasenatmung zählt die Leitlinie aber zu den Risikofaktoren, neben Rauchen, Übergewicht, Alkohol und einem vergrößerten Weichgaumen. Die engste Stelle im vorderen Nasenbereich ist die Nasenklappe. Dort setzen Dilatatoren an.
Ein äußerer Dilatator ist ein Nasenpflaster mit Kunststofffeder, das die Nasenflügel von außen aufspannt. Ein innerer Dilatator, auch Nasenspreizer genannt, sitzt in den Nasenlöchern und weitet sie von innen. Eine Metaanalyse von Camacho und Kollegen (Pulmonary Medicine 2016) wertete 14 Studien aus. Bei Menschen mit Schlafapnoe änderten Dilatatoren weder den Apnoe-Hypopnoe-Index noch den Schnarchindex signifikant. Für einfaches Schnarchen bei Rhinitis zeigt die kleine randomisierte Studie von Pevernagie (2000) dagegen seltener Schnarchgeräusche.
Abschwellende Nasensprays sind keine Dauerlösung. Die Leitlinie hält ihren kurzfristigen Einsatz für vertretbar, um den Effekt einer Nasenoperation vorab zu simulieren. Längerer Gebrauch schädigt die Nasenschleimhaut. Bei Schnarchern mit Nasenatmungsbehinderung sollten Nasenoperationen laut Leitlinie angeboten werden. Für Menschen ohne Nasenbeschwerden fehlt dafür die Evidenz.
Was hilft gegen Schnarchen mit offenem Mund?
Gegen Schnarchen mit offenem Mund helfen Mundpflaster oder Kinnband nur bei frei durchgängiger Nase, und die Belege sind dünn. Ein systematischer Review von 2025 fand in zehn kleinen Studien uneinheitliche Ergebnisse und warnt vor Erstickungsgefahr bei verlegter Nase. Die Leitlinie spricht keine Empfehlung aus.
Bei offenem Mund sinkt der Unterkiefer zurück und zieht die Zunge mit. Viele Menschen atmen nachts durch den Mund, weil die Nase nicht genug Luft liefert. Wer dann den Mund verschließt, nimmt sich den Ausweichweg. Rhee und Kollegen (PLoS One 2025) werteten zehn Studien mit 213 Personen aus. Zwei Studien fanden bessere Apnoe-Werte, die übrigen keinen Unterschied. Viele Studien hatten Menschen mit Nasenproblemen von vornherein ausgeschlossen.
Eine Messung an 54 Apnoe-Patienten (Yang und Kollegen, JAMA Otolaryngology 2024) zeigt das Risiko konkret: Wer nur wenig durch den Mund atmete, bekam mit geschlossenem Mund mehr Luft. Bei starken Mundatmern mit Engstelle am Gaumensegel verschlechterte sich der Luftstrom. Die Stiftung Warentest bewertete Anti-Schnarch-Bänder 2021 als nicht geeignet.
Vor jedem Versuch steht ein einfacher Test: eine Minute mit geschlossenem Mund ruhig durch die Nase atmen. Gelingt das nicht mühelos, ist ein Mundverschluss ungeeignet. Die Unterschiede zwischen Nasenpflaster, Mundpflaster und Kinnband vergleicht der Ratgeber Pflaster gegen Schnarchen: Nasenpflaster, Mundpflaster und Kinnband im Überblick.
Was hilft gegen Schnarchen in Rückenlage?
Gegen Schnarchen in Rückenlage hilft es, die Rückenlage zu verhindern. Die S3-Leitlinie empfiehlt dafür einen Therapieversuch mit Empfehlungsgrad B, obwohl klinische Studien fehlen. Für Kissen, die bei Schnarchgeräuschen die Kopfposition ändern, liegt eine randomisierte Studie mit 22 Teilnehmern vor.
In Rückenlage sinken Zunge und Gaumensegel durch die Schwerkraft nach hinten und verengen den Rachen. Schnarcht jemand fast nur auf dem Rücken, spricht die Fachliteratur von lageabhängigem Schnarchen. Drei Gerätegruppen setzen hier an: passive Hilfen wie Rucksack oder Weste, aktive Vibrationstrainer am Nacken oder an der Brust und Kissen mit Geräuschsensor.
Die Studienlage unterscheidet sich je Gruppe. Cazan und Kollegen (Universitätsmedizin Mannheim, Sleep and Breathing 2017) testeten ein Kissen, das sich bei Schnarchgeräuschen aufbläst und den Kopf seitlich dreht. Der Schnarchindex im Schlaflabor sank signifikant. Ein Mitautor arbeitete für den Vertrieb des Kissens. Ein passives Lagerungskissen brachte bei Michaelson und Mair (2004) keinen Vorteil. Die Stiftung Warentest stufte 2021 alle Produkte, die die Rückenlage verhindern, als „mit Einschränkung geeignet“ ein.
Ob das eigene Schnarchen lageabhängig ist, zeigen Aufnahmen mit einer Notiz zur Schlaflage. Die Geräte im Vergleich beschreibt der Ratgeber Anti-Schnarch-Geräte: Was Kissen, Positionstrainer, Armbänder und Apps leisten.
Was hilft, wenn Zunge und Unterkiefer die Ursache sind?
Wenn Zunge und Unterkiefer die Ursache sind, hilft eine Unterkieferprotrusionsschiene. Die Schiene hält den Unterkiefer nach vorn und weitet den Rachen. Die S3-Leitlinie empfiehlt sie in geeigneten Fällen mit Empfehlungsgrad A und verlangt Anpassung und Kontrolle mit zahnmedizinischer und schlafmedizinischer Expertise.
Typisch für diesen Typ ist Schnarchen mit geschlossenem Mund in jeder Schlaflage, oft bei zurückliegendem Kinn. Im Schlaf erschlafft die Muskulatur, die Zunge sinkt nach hinten. Die Unterkieferprotrusion, also das Vorschieben des Unterkiefers, zieht den Zungengrund mit nach vorn. Schienen ohne Vorschub schneiden laut Leitlinie signifikant schlechter ab. Der Vorschub selbst ist also der Wirkmechanismus.
Drei Voraussetzungen nennt die Leitlinie: einen geeigneten Zahnstatus, ein Unterkiefer, der sich weit genug nach vorn bewegen lässt, und eine Untersuchung von Kiefergelenk und Kaumuskulatur vor Beginn. Die Schiene kommt in zwei Bauformen. Konfektionierte Boil-and-Bite-Schienen werden in heißem Wasser erweicht und selbst angebissen. Individuelle Schienen werden nach Abdruck oder Scan im Dentallabor gefertigt.
Den Unterschied misst eine randomisierte Studie von Vanderveken und Kollegen (American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 2008) mit 35 Patienten mit leichter Schlafapnoe. Die individuelle Schiene war bei 60 % erfolgreich, die thermoplastische bei 31 %. Ein Drittel brach die thermoplastische Schiene ab, meist weil sie nachts nicht hielt. 82 % bevorzugten am Ende die individuelle Schiene. Die Leitlinie bewertet konfektionierte Schienen bei Haltbarkeit und Wirksamkeit kritisch. Wie die Schiene wirkt, für wen sie passt und was sie kostet, beschreibt der Ratgeber Schnarchschiene: Wie sie wirkt, für wen sie passt und was sie kostet.
Der Schnarchmittel-Test der Stiftung Warentest von 2021 sagt über individuelle Schienen nichts aus. Die Tester schlossen Maßanfertigungen von Dentallaboren und Zahnärzten ausdrücklich aus, ebenso Sprays und App-gesteuerte Geräte. Die drei geprüften Unterkiefer-Produkte waren frei verkäufliche Schienen. Wer einen Testsieger für die Schnarchschiene sucht, findet ihn dort also nicht. Belastbar sind für individuelle Schienen die klinischen Studien und die Empfehlung der S3-Leitlinie.
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Was hilft bei Gaumensegelschnarchen?
Bei Gaumensegelschnarchen helfen eine Unterkieferprotrusionsschiene oder gering-invasive Eingriffe am weichen Gaumen. Die S3-Leitlinie empfiehlt bei Behandlungswunsch die Radiofrequenztherapie mit Empfehlungsgrad A. Die größere Gaumen-Operation UPPP soll wegen höherer Komplikationsrate nur nach strenger Prüfung erfolgen.
Gaumensegelschnarchen ist der häufigste Typ: Laut Leitlinie geht das Schnarchgeräusch meist vom weichen Gaumen aus. Er ist auch der Typ, der übrig bleibt, wenn Nase, Mund, Lage und Kiefer unauffällig sind. Sicher bestimmen lässt sich die Quelle nur bei einer HNO-ärztlichen Untersuchung, gegebenenfalls mit einer Schlafendoskopie unter Medikamenten.
Die Leitlinie nennt zwei gering-invasive Verfahren. Die Radiofrequenztherapie strafft das Gaumengewebe über kontrollierte Wärme (Evidenzlevel 1b, Empfehlungsgrad A). Weichgaumenimplantate kommen in speziellen Fällen in Frage (Empfehlungsgrad B). Die Uvulopalatopharyngoplastik entfernt Gewebe an Gaumensegel und Zäpfchen, meist zusammen mit den Mandeln. Die Leitlinie weist darauf hin, dass Gaumen-Operationen das Schnarchen meist verringern und selten ganz beseitigen.
Was bringen Alkoholverzicht, Abnehmen und Übungen?
Alkoholverzicht und Abnehmen senken das Schnarchen bei Menschen, die abends trinken oder zugenommen haben. Eine Metaanalyse mit 13 Studien fand nach Alkohol stärkeres Schnarchen und mehr Atemaussetzer. Die S3-Leitlinie empfiehlt jedem übergewichtigen Schnarcher eine Gewichtsreduktion, bei begrenzter Datenlage.
Alkohol entspannt die Rachenmuskulatur. Burgos-Sanchez und Kollegen (Otolaryngology–Head and Neck Surgery 2020) werteten 13 Schlaflabor-Studien mit 279 Personen aus. Nach Alkohol stieg der Apnoe-Hypopnoe-Index im Mittel um 3,98 Ereignisse pro Stunde, die niedrigste Sauerstoffsättigung sank um 2,72 Prozentpunkte. Die Autoren sehen Alkohol mit stärkerem Schnarchen verbunden. Die Leitlinie nennt den Verzicht auf Schlafmittel am Abend in einem Zug mit dem Alkoholverzicht.
Die Leitlinie nennt vier allgemeine Maßnahmen: keine Schlafmittel und kein Alkohol am Abend, Rauchstopp und ein stabiler Schlaf-Wach-Rhythmus. Überzeugende Studien dazu fehlen, die Leitlinie unterstützt sie trotzdem aus schlafmedizinischer Sicht. Die Gewichtsreduktion trägt Empfehlungsgrad A bei Evidenzlevel 5, also auf Basis von Expertenkonsens.
Mundmuskel- und Zungenübungen sind besser untersucht als ihr Ruf. Eine Metaanalyse von Camacho und Kollegen (European Archives of Oto-Rhino-Laryngology 2018) fasste neun Studien mit 211 Erwachsenen zusammen. Die Schnarchintensität sank um 51 %, die Schnarchzeit um 31 %. Die S3-Leitlinie hielt die Datenlage 2019 trotzdem für keine Empfehlung ausreichend. Übungen, Studien und Anleitung bündelt der Eintrag Myofunktionelle Therapie (Logopädie).
Was hilft nicht gegen Schnarchen?
Nicht gegen Schnarchen helfen laut S3-Leitlinie Öle, Rachensprays und Medikamente zum Einnehmen. Die Stiftung Warentest bewertete 2021 Anti-Schnarch-Ringe und Anti-Schnarch-Bänder als nicht geeignet. Ein Rachenspray, ein Nasenstreifen und ein Lagerungskissen schnitten in einer randomisierten Studie nicht besser ab als keine Hilfe.
Die Leitlinie rät von Ölen und Sprays im Mund- und Rachenraum mit starkem Konsens ab. Die Stiftung Warentest hat solche Sprays gar nicht erst geprüft, weil nach eigener Angabe vorab klar war, dass keine überzeugenden Studien vorliegen. Anti-Schnarch-Ringe hielt die Stiftung Warentest nach Auswertung der Studienlage für nicht geeignet.
Der Begriff „Testsieger“ führt bei Schnarchmitteln oft in die Irre. Was Stiftung Warentest und andere Prüfer wirklich bewertet haben, fasst der Artikel Anti-Schnarch-Testsieger: Was Stiftung Warentest und andere Tests wirklich geprüft haben zusammen.
Wann muss Schnarchen ärztlich abgeklärt werden?
Schnarchen muss ärztlich abgeklärt werden, wenn Atemaussetzer beobachtet werden, tagsüber starke Müdigkeit besteht oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen. Die S3-Leitlinie verlangt dann eine schlafmedizinische Messung, etwa eine Polygraphie. Sie empfiehlt die Messung auch vor einer gezielten Behandlung des Schnarchens.
Eine obstruktive Schlafapnoe ist eine Atmungsstörung, bei der die oberen Atemwege im Schlaf wiederholt verschließen und die Atmung kurz aussetzt. Schnarchen ist ihr häufigstes Begleitzeichen. Nach außen klingen beide gleich. Den Unterschied zeigt nur eine Messung der Atmung im Schlaf. Eine Polygraphie zeichnet dazu Atemfluss, Atembewegungen und Sauerstoffsättigung über Nacht auf und ist auch zu Hause möglich.
Beobachtete Atemaussetzer, lautes Luftschnappen nach Stille oder ungewolltes Einnicken am Tag sind Warnzeichen für eine Schlafapnoe. Dann zuerst ärztlich abklären lassen und kein Hilfsmittel auf eigene Faust testen. Mund- und Nasenpflaster ersetzen keine Apnoe-Behandlung. Erste Anlaufstelle ist meist die hausärztliche oder HNO-Praxis.
Den Weg von der ersten Praxis bis zur Messung beschreibt der Ratgeber Schnarchen ärztlich abklären: Welcher Arzt, welche Untersuchung, welche Behandlung.
💬 Meine Einschätzung
Die gängige Frage lautet: Welches Mittel hilft am besten gegen Schnarchen? Die Studienlage beantwortet eine andere Frage, nämlich welches Mittel bei welcher Engstelle hilft. Zwei Studien zeigen das deutlich. Michaelson und Mair fanden 2004 für Spray, Nasenstreifen und Kissen keinen Effekt, weil sie die Mittel bei Schnarchern aller Typen testeten. Ioerger und Kollegen fanden 2024 bei der Schiene 91 % Responder nach Partnerurteil. Die Schiene setzt an einer Engstelle an, die bei vielen Schnarchern beteiligt ist. Wer nach einem Testsieger sucht, kauft deshalb oft das falsche Mittel. Wer zuerst den Typ bestimmt, testet weniger Produkte und kommt schneller zu einem Ergebnis.
- Die Typ-zuerst-Methode: erst Warnzeichen prüfen, dann den Schnarchtyp bestimmen, dann ein Mittel über eine Woche mit Aufnahmen testen.
- Unterkieferprotrusionsschiene: Empfehlungsgrad A der S3-Leitlinie, Evidenzlevel 1b; 91 % Responder nach Partnerurteil in einer Studie von 2024.
- Individuelle Schiene: 60 % Erfolg gegenüber 31 % bei der Boil-and-Bite-Schiene in einer randomisierten Studie mit 35 Patienten.
- Rückenlageverhinderung: Empfehlungsgrad B; Nasendilatatoren nur bei Engstelle an der Nasenklappe.
- Alkohol am Abend erhöht den Apnoe-Hypopnoe-Index im Mittel um 3,98 Ereignisse pro Stunde.
- Öle, Rachensprays, Ringe und Kinnbänder gelten bei Leitlinie bzw. Stiftung Warentest als ungeeignet.
Häufige Fragen zu Mitteln gegen Schnarchen
Diese Fragen ergänzen die Abschnitte oben um Detailpunkte, die beim Vergleich der Mittel oft auftauchen.
Was hilft sofort gegen Schnarchen?
Sofort wirken drei Maßnahmen: Seitenlage statt Rückenlage, kein Alkohol und keine Schlafmittel am Abend und eine freie Nase vor dem Schlafen. Die S3-Leitlinie zählt Rückenlageverhinderung und den Verzicht auf abendlichen Alkohol zu den Maßnahmen gegen Schnarchen. Ob sie wirken, hängt vom Schnarchtyp ab.
Hilft eine Schnarchschiene auch bei Nasenschnarchen?
Eine Schnarchschiene hilft bei Nasenschnarchen kaum, weil sie den Rachen weitet und nicht die Nase. Ist die Nase die Hauptursache, setzen Nasendilatatoren oder eine HNO-Behandlung an der richtigen Stelle an. Bei Engstellen in Nase und Rachen lassen sich beide Ansätze kombinieren.
Zahlt die Krankenkasse Mittel gegen Schnarchen?
Für frei verkäufliche Hilfsmittel gegen einfaches Schnarchen zahlen die Krankenkassen nicht, so die Stiftung Warentest 2021. Die S3-Leitlinie sieht für einfaches Schnarchen keine medizinische Notwendigkeit zur Behandlung. Bei einer diagnostizierten obstruktiven Schlafapnoe gelten andere Regeln.
Warum schnarchen Männer häufiger als Frauen?
Männer schnarchen häufiger als Frauen: Eine Metaanalyse von 2012 fand laut S3-Leitlinie ein 1,75- bis 2,03-fach erhöhtes Risiko. In einer britischen Befragung schnarchten 26 % der Männer und 20 % der Frauen bis 24 Jahre regelmäßig. Der Gipfel liegt zwischen 45 und 55 Jahren.
Ist Schnarchen gefährlich?
Einfaches Schnarchen gilt laut S3-Leitlinie nicht als Erkrankung mit gesundheitlicher Gefährdung. Gefährlich ist eine Schlafapnoe, die sich hinter dem Schnarchen verbergen kann. Ob Schnarchen ohne Apnoe das Herz-Kreislauf-Risiko erhöht, ist laut Leitlinie umstritten.
Quellen und weiterführende Literatur
Alle Quellen wurden am 01.10.2026 geprüft. Studien sind über PubMed verlinkt.
- S3-Leitlinie 017-068 „Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen“ · register.awmf.org · Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie, Stand 03/2019, laut AWMF abgelaufen und in Überarbeitung.
- Ioerger P. et al.: Mandibular Advancement vs Combined Airway and Positional Therapy for Snoring (2024) · pubmed.ncbi.nlm.nih.gov · randomisierter Vergleich Schiene gegen Kombination aus Nasen-, Mund- und Lagemaßnahmen.
- Michaelson P. G., Mair E. A.: Popular snore aids: do they work? (2004) · pubmed.ncbi.nlm.nih.gov · randomisierte Studie zu Rachenspray, Nasenstreifen und Lagerungskissen.
- Camacho M. et al.: Nasal Dilators for Snoring and OSA (2016) · pubmed.ncbi.nlm.nih.gov · Metaanalyse mit 14 Studien zu inneren und äußeren Nasendilatatoren.
- Vanderveken O. M. et al.: Custom-made vs thermoplastic oral appliance (2008) · pubmed.ncbi.nlm.nih.gov · randomisierter Vergleich individueller und konfektionierter Schienen.
- Burgos-Sanchez C. et al.: Impact of Alcohol Consumption on Snoring and Sleep Apnea (2020) · pubmed.ncbi.nlm.nih.gov · Metaanalyse mit 13 Schlaflabor-Studien.
- Rhee J. et al.: Safety and efficacy of mouth taping – systematic review (2025) · pubmed.ncbi.nlm.nih.gov · zehn Studien zu Mundpflastern mit Risikobewertung.
- Yang H. et al.: Mouth Closure and Airflow in Patients With Obstructive Sleep Apnea (2024) · pubmed.ncbi.nlm.nih.gov · Messung des Luftstroms bei geschlossenem Mund.
- Cazan D. et al.: The effect on snoring of using a pillow to change the head position (2017) · pubmed.ncbi.nlm.nih.gov · randomisierte Crossover-Studie mit 22 Teilnehmern.
- Camacho M. et al.: Myofunctional therapy for snoring (2018) · pubmed.ncbi.nlm.nih.gov · Metaanalyse mit neun Studien zu Mund- und Zungenübungen.
- Stiftung Warentest: Mittel gegen Schnarchen (test 10/2021) · test.de · Bewertung von 23 frei verkäuflichen Schnarchhilfen, veröffentlicht am 22.09.2021.
