Zunge & Unterkiefer

Zungenhalter (TRD)

Saugkappe aus Silikon, die die Zungenspitze per Unterdruck nach vorn hält und den Rachen frei halten soll.

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Kurz beantwortet

Ein Zungenhalter kann Schnarchen mindern, wenn der zurückfallende Zungengrund die Ursache ist. Die Studien stammen fast nur aus der Schlafapnoe: Dort senkte er die Zahl der Atemaussetzer, in einem Vergleich ähnlich wie eine Unterkieferschiene, wurde aber schlechter vertragen. Zum einfachen Schnarchen gibt es kaum Daten.

Ein Zungenhalter, englisch Tongue Retaining Device oder kurz TRD, ist eine kleine Kappe aus weichem Silikon. Man drückt sie zusammen, steckt die Zungenspitze hinein und lässt los; der entstehende Unterdruck hält die Zunge in der Kappe vor den Zähnen fest. Ein Schild liegt außen zwischen Lippen und Zähnen. Die Zunge bleibt so nach vorn gezogen und soll im Schlaf nicht nach hinten in den Rachen sinken.

Passend ist das Prinzip für Schnarchen, das am Zungengrund entsteht. Anders als eine Unterkieferprotrusionsschiene wird der Zungenhalter nicht an den Zähnen verankert. Weil die S3-Leitlinie für Protrusionsschienen eine ausreichende Zahl fester Zähne voraussetzt, wird der Zungenhalter als mögliche Option diskutiert, wo eine Schiene an fehlenden oder nicht belastbaren Zähnen scheitert. Ob das im Einzelfall passt, klärt eine zahnärztliche oder schlafmedizinische Beratung.

Zum Belegstand: Eine Metaanalyse von Chang und Kollegen (2017) mit 16 Studien und 242 Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe fand eine Senkung des Apnoe-Hypopnoe-Index, eine leicht bessere niedrigste Sauerstoffsättigung und weniger Tagesschläfrigkeit. In einer randomisierten Cross-over-Studie (Deane 2009, 27 Patienten) senkten Zungenhalter und Unterkieferschiene den Index ähnlich stark. Schnarchen und Schlafqualität besserten sich subjektiv mit beiden, mit der Schiene stärker; die Nutzung war mit dem Zungenhalter schlechter, und fast alle Teilnehmer bevorzugten die Schiene. Für einfaches Schnarchen ohne Apnoe lagen in der Recherche kaum Daten vor; die S1-Leitlinie der zahnärztlichen Schlafmedizin behandelt Zungenretainer nicht.

Zur Anwendung: Die Gewöhnung braucht meist mehrere Nächte. Häufige Anfangsbeschwerden sind vermehrter Speichelfluss, Spannungsgefühl oder wunde Stellen an der Zungenspitze. Den Zungenhalter vor dem Einschlafen in Ruhe einsetzen und den Sitz prüfen; rutscht die Zunge nachts heraus, kann eine andere Größe helfen. Die Kappe täglich mit warmem Wasser reinigen, trocken lagern und bei Rissen ersetzen.

Grenzen: Bei Schnarchen aus der Nase oder überwiegend vom Gaumen ist kein gezielter Effekt zu erwarten. Wer Atemaussetzer bemerkt oder tagsüber stark müde ist, lässt zuerst eine Schlafapnoe ausschließen; eine diagnostizierte Apnoe gehört in schlafmedizinische Behandlung, die Wahl des Hilfsmittels eingeschlossen.

Alternativen am Unterkiefer sind die Boil-and-Bite-Schiene (Drogerie) gegen Schnarchen und die individuell angefertigte Schiene, beschrieben unter Schnarchschiene. Muskelübungen beschreibt Myofunktionelle Therapie (Logopädie) gegen Schnarchen.

Steckbrief

WirkprinzipEine Silikonkappe saugt die Zungenspitze an und hält sie vor den Zähnen; dadurch soll der Zungengrund nicht nach hinten fallen (Tongue Retaining Device, TRD).
SchnarchtypSchnarchen, das durch einen zurückfallenden Zungengrund entsteht.
BelegstandFür obstruktive Schlafapnoe Metaanalyse mit 16 Studien (242 Patienten) mit gesenktem Apnoe-Hypopnoe-Index (Chang et al. 2017); im direkten Vergleich ähnliche Senkung wie mit Unterkieferschiene, aber schlechtere Akzeptanz (Deane et al. 2009); zum einfachen Schnarchen kaum Daten.
Preisklasse€–€€
BezugswegOnline-Handel, teils Apotheke; rezeptfrei. Individuelle Varianten über die Zahnarztpraxis.
Für wen nichtBei starkem Würgereiz, Verletzungen an Zunge oder Lippen und bei Verdacht auf Schlafapnoe ohne ärztliche Begleitung.

Fragen und Antworten

Hilft ein Zungenhalter gegen Schnarchen?

Bei Schnarchen durch den zurückfallenden Zungengrund ist ein Effekt plausibel und für Schlafapnoe in Studien gezeigt. Für einfaches Schnarchen ohne Atemaussetzer gibt es kaum Daten. Ein mehrnächtiger Selbstversuch mit Aufnahmen schafft am ehesten Klarheit.

Was ist besser: Zungenhalter oder Schnarchschiene?

In einer randomisierten Vergleichsstudie senkten beide die Atemaussetzer ähnlich stark. Die Unterkieferschiene wurde aber besser vertragen, länger genutzt und von fast allen Teilnehmern bevorzugt. Der Zungenhalter ist eher eine Option, wenn eine Schiene an den Zähnen scheitert.

Ist ein Zungenhalter unangenehm?

Anfangs häufig. Typisch sind vermehrter Speichelfluss, ein Spannungsgefühl oder wunde Stellen an der Zungenspitze. Die Gewöhnung dauert meist mehrere Nächte; bei anhaltenden Schmerzen oder Verletzungen sollte man die Nutzung beenden und ärztlich nachfragen.

Für wen ist ein Zungenhalter ungeeignet?

Für Menschen mit starkem Würgereiz, Verletzungen oder Entzündungen an Zunge und Lippen und für alle, bei denen Atemaussetzer beobachtet wurden und noch keine ärztliche Diagnose vorliegt. Auch bei Schnarchen, das von der Nase ausgeht, passt das Prinzip nicht.

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